Jeden Monat stellt die MFG Baden-Württemberg in diesem Format einen Fund aus Kunst, Kultur oder (Fach-)Literatur vor. In dieser Ausgabe empfiehlt Agnes Obenhuber, Leiterin der Unit Medienprojekte und Services, die Beschäftigung mit dem digitalen NSDAP Archiv der ZEIT. Wer Lust hat, selbst ein Fundstück vorzustellen, kann sich gerne an digitalekultur@mfg.de wenden. Abonnieren Sie außerdem unseren Newsletter für mehr Neuigkeiten und Interessantes aus dem Bereich Digitale Kultur.
Was hast du dabei?
Das digitale Archiv der Mitgliederkarteien der NSDAP. Die ZEIT hat den Datensatz der NSDAP Mitgliederkartei (Zentralkartei und Gaukartei) gesichert, online gestellt und aufbereitet. Es wurde ein Suchmaschinentool entwickelt, um in der NSDAP-Mitgliederkartei zu recherchieren. Und nun lassen sich durch einfache Recherche – also Nachname, ggf. Geburtstag und -ort – Personen finden, die in der NSDAP Mitglied waren, wann sie eingetreten sind und welchen Beruf sie ausübten. Die Bestände wurden mithilfe von KI (Google Gemini) aufbereitet, digitalisiert und ausgewertet.
Was spricht dich an?
Das Projekt ist ein sehr gutes Beispiel für ein öffentlich zugängliches und digitalisiertes Archiv. Die Mitgliederkarteien (leider unvollständig, da sie 1945 teils vernichtet wurden) können jetzt, ohne komplizierte Anfragen, eingesehen werden. Jede Person kann damit leicht zugänglich recherchieren. Die ZEIT berichtet, dass viele Nutzer*innen herausfinden, dass Verwandte NSDAP-Mitglied waren und was dies mit ihrem Familiennarrativ macht.
Was ist hier besonders interessant?
Die Hintergrundrecherche der ZEIT ist sehr spannend: Wann sind die Personen in die NSDAP eingetreten, wie alt waren sie? Aufgrund welcher Anlässe stiegen die Mitgliedszahlen? Aus diesen vielen Daten lassen sich nun neue Erkenntnisse ziehen. Das gesellschaftliche Interesse an der Auseinandersetzung ist enorm.
Wofür und wem empfiehlst du das?
Geschichte geht uns alle an, viele von uns haben Vorfahren, die aktive NSDAP‑Mitglieder waren. Von manchen wissen wir, von manchen nicht. Im digitalen Archiv kann man auch über die eigene Herkunftsfamilie recherchieren. Und ja, diese Erkenntnisse können wehtun, aber es ist natürlich wichtig, sich damit zu beschäftigen…






