Mit unserer neuen Reihe „Hier gemacht“ holen wir Hidden Champions der Kultur- und Kreativwirtschaft aus Baden-Württemberg ins Rampenlicht. Unternehmen und Personen, die im Land verwurzelt und weltweit gefragt sind – mit Ideen, die überraschen, verbinden und inspirieren.
Den Auftakt macht ein Designstudio, das Räume nicht nur gestaltet, sondern neu denkt: die Ippolito Fleitz Group. Mit Sitz in Stuttgart – und Projekten auf der ganzen Welt – zeigt das mehrfach ausgezeichnete Studio, wie New Work zur Haltung wird und wie regionale Verwurzelung internationale Strahlkraft entfalten kann. Im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Ippolito erfahren wir, warum Baden-Württemberg für ihn nicht nur Heimat, sondern auch ein kreativer Nährboden für die Zukunft der Arbeit ist.
Von Stuttgart in die Welt – und zurück
Helle Kommunikationszonen statt Büros, verschiedenste Prototypen und Materialien aus Stoff, Stein, oder Holz im Material Lab, vertikale Bepflanzung von den hohen Decken im Kreativ-Dschungel: Wer das Headoffice der Ippolito Fleitz Group im Stuttgarter Westen betritt, erkennt sofort, dass hier Arbeitswelten innovativ und menschenzentriert gedacht werden. Und das nicht nur in Baden-Württemberg: Das in Stuttgart gegründete Architekturbüro realisiert Projekte an unterschiedlichsten Orten weltweit.
Mit Niederlassungen in Berlin und Shanghai ist es für Geschäftsführer Peter Ippolito genau der Balanceakt zwischen Lokalität und Internationalität, der ihm so viel Spaß an seiner Arbeit macht: „Mein Büropartner Gunter und ich haben in Stuttgart zusammen studiert, zusammen gewohnt und 2002 gegründet. Unsere Neugier auf das Leben der Menschen und unsere Offenheit für die Welt standen für uns immer in einem guten Gleichgewicht mit der tiefen Verwurzelung hier – im Persönlichen, Sozialen und Wirtschaftlichen.“
Ein wesentlicher Grund für die Verbundenheit zum Standort sei der Mittelstand, der in Baden-Württemberg eine besondere Rolle spielt. „Hier gibt es viele Menschen, die mit echter Leidenschaft hinter dem stehen, was sie tun – und die dich mit vollem Einsatz unterstützen, wenn sie an dich glauben. Im Vergleich zu Großkonzernen, wo Entscheidungswege oft lang und komplex sind, entstehen hier langfristige, vertrauensvolle Partnerschaften. Das ist ein sehr persönliches Geschäft – und genau das schätzen wir.“
Für Peter Ippolito ist Baden-Württemberg nicht nur Heimat, sondern auch ein Motor für Innovation, besonders wegen der dichten Kreativszene und einem Netzwerk aus hochwertigen Fachkräften: „Du bist als Unternehmen immer glücklicher, du dich in einem starken Wettbewerbsfeld befindest. Gute Firmen ziehen gute Leute an. Das gibt einen guten Anreiz, besser sein zu wollen“, so Ippolito.
New Work als Haltung und Gestaltung
New Work ist für die Ippolito Fleitz Group kein bloßer Trend, sondern eine Haltung, die sich in jedem Projekt widerspiegelt. „Arbeit ist heute nicht mehr an einen Schreibtisch gebunden, sondern an das, was ich tue. Die Gestaltung von Arbeitsumgebungen muss der Tatsache gerecht werden, dass die Arbeit nicht mehr statisch ist, sondern sich ständig verändert.“ Sie müsse flexibel, adaptiv und immer den Menschen in den Mittelpunkt stellend sein.
Die internationale Erfahrung prägt die Herangehensweise an die Projekte des Büros stark. „In Deutschland denken wir 10 Jahre lang drüber nach und machen es dann richtig und in Asien machst du es zehnmal, bis es richtig ist und hast dann aber 10 Projekte verwirklicht. Man kann lang darüber debattieren, was der richtigere Weg ist. Muss man aber auch gar nicht, weil es eben in der Kultur verankert ist.“
Projekte wie das globale Headquarter von Beiersdorf in Hamburg, bei dem die gesamte Belegschaft in den Gestaltungsprozess eingebunden war, oder die Erweiterung des Ritter Sport Headquarters in Waldenbuch, das mit seiner offenen und spielerischen Gestaltung neue Arbeitsformen ermöglicht, zeigen die Vielfalt der New Work-Ansätze von Ippolito Fleitz.
Architektur im Wandel: Räume, die leben und sich wandeln
Auch die Rolle der New Work Architektur verändert sich grundlegend, so Ippolito. „Das Büro ist heute vor allem deshalb wichtig, weil dort ungeplante Begegnungen und Zufälle stattfinden. Wie kann ich Wissen vermehren durch das, was nicht planbar ist? Und wie lässt sich genau dieses Ungeplante gestalten? Das Büro wird zum Ort, an dem sich Identität, Kultur und Werte eines Unternehmens zeigen“, erklärt er.
Dabei sind bauliche Flexibilität durch modulare Elemente, Change Management und technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz wichtige Bausteine. Die Herausforderung liege darin, Räume zu schaffen, die diesen Bedürfnissen gerecht werden und gleichzeitig nachhaltig Bestand haben.
Maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Kulturen
Bei den konkreten Konzepten für die Bauprojekte passt sich Ippolito Fleitz stets an das jeweilige Unternehmen und dessen Arbeitskultur an: „Bei uns gibt es keinen Signature Style, der für alle gleich ist. Wir sagen, das Projekt, das wir noch nie gemacht haben in einem Land, in dem wir noch nie waren, ist immer das liebste Projekt. Aber jeder unserer Kunden verdient eine eigene Antwort.“
In Shanghai etwa ist Präsenzkultur stark verankert, während in den USA dezentrale Arbeitsformen verbreitet sind. Technische Ausstattung, Raumgestaltung und Unternehmenskultur müssen harmonieren, um produktive Arbeitswelten zu schaffen. „Wir bauen beispielsweise ganz gerne hybride Besprechungsräume, in denen die Menschen, die zugeschaltet werden, durch Technik genauso groß und auf Kopfhöhe den Menschen in Präsenz gegenübersitzen. Wir unterstützen unsere Kunden mit hybriden Besprechungsräumen, flexiblen Flächen und Change-Management-Prozessen, die Mitarbeitende aktiv einbinden“, erläutert Ippolito.
Kreativwirtschaft Baden-Württemberg: Ein lebendiges Ökosystem
Die Vielfalt und Innovationskraft der Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg spiegelt sich bei Ippolito Fleitz besonders als Kreativnetzwerk wieder. „Ein großer Vorteil hier in Stuttgart ist, dass wir drei hervorragende Hochschulen haben. Das bedeutet: Es gibt viele gut ausgebildete Fachkräfte – auch in Bereichen wie Szenografie und Kommunikation. Und das ist enorm wertvoll. Die hohe Dichte an exzellenten Kreativen erleichtert den gegenseitigen Austausch und die kreative Inspiration“ sagt Ippolito.
In seiner Arbeit setzt das Büro stark auf Kooperationen und den Austausch mit lokalen Akteur*innen – etwa aus der Kommunikationswirtschaft, der Werbe- oder Grafikszene. „Wir bauen auf Netzwerke, aber wir verlassen uns nicht auf externe Unterstützung – wir handeln eigeninitiativ“, erklärt Ippolito. „Gleichzeitig beobachten wir, dass andere Länder oft schneller und flexibler auf neue Entwicklungen reagieren – sei es bei Förderstrukturen, digitalen Tools oder der Zusammenarbeit zwischen Disziplinen.“
Ippolito sieht Zukunft in Baden-Württemberg
Der Standort Stuttgart bleibt für das Unternehmen ein unverzichtbarer Anker, auch wenn die Büros weltweit immer mehr auf Augenhöhe agieren. „Mir ist es immer lieber, einen starken Standort zu haben, in dem ich viele gute Player habe, als einen, wo du der einzige Leuchtturm wärst und keinen Anreiz hättest", so der Geschäftsführer.
Für Ippolito Fleitz ist klar: Der Kreativstandort Baden-Württemberg ist nicht nur Heimat, sondern auch ein wichtiger Erfolgsfaktor – und darum will er auch in Stuttgart bleiben: „Wir sind hier emotional und wirtschaftlich stark verwurzelt, gleichzeitig war und ist Stuttgart eine gute Basis, um in die Welt zu blicken. Das ist Teil der Energie des Ländle, finde ich, die hier gut funktioniert.“




























