Das MFG Programm “offen für… Digitale Barrierefreiheit in Museen” unterstützt Museen aus Baden-Württemberg bei der Umsetzung von medialer Barrierefreiheit. Eine Expert*innenjury wählte kürzlich sechs Vorhaben für inklusivere Kulturarbeit aus. Sie bekommen jeweils ein Budget von bis zu 5000 Euro sowie eine begleitende Beratung. Im Newsletter Digitale Kultur und auf der Projektwebsite stellen die sechs Museen sich und ihre Vorhaben in den nächsten Monaten vor.
In dieser Ausgabe erzählt das Team des Zeppelin Museum in Friedrichshafen von seinem Projekt.
Wer seid ihr und wie heißt euer Projekt?
Wir sind Dr. Tabea Widmann und Jana Dix aus der Abteilung Diskurs & Kommunikation am Zeppelin Museum in Friedrichshafen. Da Tabeas Verantwortungsbereich digitale Vermittlungsformate und Formatentwicklung umfasst und Jana inklusive Formate am Museum verantwortet, arbeiten wir gemeinsam an dem Projekt “Das Zeppelin Museum in DGS”: Das Zeppelin Museum umfasst eine weltweit einzigartige Sammlung zur Geschichte der Luftschifffahrt und eine Kunstsammlung mit Werken vom Mittelalter bis zur Moderne. Diesen besonderen Ort möchten wir mit dem Projekt für taube und schwerhörige Besucher*innen barriereärmer gestalten.
Was bedeutet Inklusion und (digitale) Barrierefreiheit für euch im Museum?
Für uns bilden Inklusion und (digitale) Barrierefreiheit feste Bestandteile unserer musealen Arbeit: Expert*innen zu den Themen sind Teil des Teams und jeder Projektgruppe des Hauses.
Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit haben wir uns als Museum zum Ziel gesetzt, gerechte, inklusive und unterstützende Strukturen zu schaffen. Dies bedeutet für unsere Arbeit zum einen zum Beispiel die gezielte Ansprache und Beteiligung bislang unterrepräsentierter Fokus- und Dialoggruppen. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf die Senkung digitaler Barrieren und gestalten unsere Angebote gemäß der BITV 2.0 und der WCAG 2.1.
Wir möchten kulturelle Teilhabe stärken und das Museum als einen demokratischen Ort gelebter Diversität sichtbar machen. Daher bilden wir uns regelmäßig fort und versuchen, unsererseits Botschafter*innenpositionen zu übernehmen.
Was habt ihr euch im Rahmen der Förderung von “offen für…” vorgenommen?
Mit “Das Zeppelin Museum in DGS” möchten wir in Form von Gebärdensprachvideos auf der Website des Museums sprachliche Barrieren für taube und schwerhörige Besucher*innen abbauen. Mithilfe der Videos sollen für diese Zielgruppe nachhaltig und niederschwellig alle relevanten Informationen über das Museum, seine Sammlungen und insbesondere den Besuch zur Verfügung gestellt werden.
Nachdem bereits entwickelte Videos mit dem Gebärden-Avatar AVATASI auf kritische Resonanz in der Zielgruppe gestoßen waren, ist es das zentrale Anliegen des Projekts, diesen Missstand zu beheben und ein neues barrierearmes Angebot zu schaffen.
Zunächst werden bei einem Workshop mithilfe von Expert*innen in eigener Sache der Informationsbedarf für taube Besucher*innen ermittelt und im Anschluss in Themen geclustert. Die einzelnen Themencluster wird ein*e professionelle*r Dienstleister*in anschließend in DGS übersetzen und in Form von Einzelvideos produzieren, die im Anschluss auf der Website des Museums veröffentlicht werden.
Wen wollt ihr mit eurem Vorhaben erreichen und inwiefern fördert es konkret die digitale Barrierefreiheit?
Das Projekt richtet sich an taube und schwerhörige Besucher*innen des Museums. Daher möchten wir in jedem Schritt des Projekts (vorbereitender Workshop, Beauftragung der Videos, Qualitätskontrolle der Videos) die Zielgruppe – zum Beispiel in Form von Fokusgruppen und Expert*innen in eigener Sache – miteinbinden. Die Veröffentlichung der Videos auf der Website dient dazu, diese Informationen nachhaltig und niederschwellig verfügbar zu machen und so den digitalen Auftritt des Zeppelin Museums langfristig barriereärmer zu gestalten.
Welche Herausforderungen seht ihr bei der Umsetzung und wie geht ihr sie an?
Eine Herausforderung sehen wir klar darin, dass Fokusgruppen nie das gesamte Spektrum von Perspektiven innerhalb einer durchaus sehr heterogenen Zielgruppe bilden. Es wäre ein grundlegender Fehler von einheitlichen Bedürfnissen zum Beispiel im Hinblick auf Informationen und ihrem Umfang auszugehen. Es ist unser Anliegen im Sinne von “so wenig wie möglich, so viel wie nötig” ausreichend Informationen zu geben, ohne zu überfordern oder zu überwältigen. Dieser Herausforderung lässt sich vermutlich nur langfristig durch Besucher*innenfeedback begegnen.
Zudem fehlt uns im Team bislang praktische Erfahrung in der Konzeption eines Workshop-Formats mit Gebärdendolmetscher*innen. Uns beschäftigen zum Beispiel Fragen nach der idealen Gruppengröße und Dauer der Dolmetschung. Gerade hier freuen wir uns auf den Austausch im Netzwerk der MFG und auf die Vernetzung mit Expert*innen in eigener Sache, um bereits die Konzeption des Workshops gemeinsam mit der Zielgruppe zu gestalten.























