Jeden Monat stellt die MFG Baden-Württemberg in diesem Format einen Fund aus Kunst, Kultur oder (Fach-)Literatur vor. In dieser Ausgabe empfiehlt Corina Langenbacher, Projektleiterin Digitale Kultur, das Buch “Anleitung zum Unkreativsein”. Wer Lust hat, selbst ein Fundstück vorzustellen, kann sich gerne an digitalekultur@mfg.de wenden. Abonnieren Sie außerdem unseren Newsletter für mehr Neuigkeiten und Interessantes aus dem Bereich Digitale Kultur.
Was hast Du dabei?
Ich habe das Buch “Anleitung zum Unkreativsein” von Dirk von Gehlen mitgebracht. Darin setzt der Autor sich mit Kreativität unter digitalen Bedingungen auseinander – also mit einer Welt, in der alles jederzeit verfügbar, kopierbar und vergleichbar ist. Statt klassischer Kreativtechniken geht es um Haltung: um das bewusste Setzen von Grenzen, um Originalität jenseits von Neuheitsdruck und um die Frage, wie eigene Ideen entstehen können, wenn scheinbar schon alles gesagt ist.
Was spricht Dich an?
Mich überzeugt der pragmatische und zugleich reflektierte Zugang. Von Gehlen argumentiert nicht gegen Digitalisierung oder Vernetzung, sondern zeigt, wie Kreativität gerade durch Beschränkung, Auswahl und bewusste Entscheidungen möglich wird. Besonders ansprechend ist, dass das Buch zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Arbeit, Inspiration und Aufmerksamkeit anregt – ohne belehrend zu wirken.
Hast Du eine Lieblingsstelle?
Besonders ansprechend finde ich die Passagen, in denen Dirk von Gehlen davon spricht, dass Kreativität nichts ist, das wir neu erlernen müssen, sondern etwas, das wir im Laufe der Zeit oft verlernen. Er beschreibt Kreativität als eine angeborene Fähigkeit, die durch Leistungsdruck, Vergleich und äußere Erwartungen überlagert wird. Diese Stellen machen deutlich, dass es weniger darum geht, ständig neue Ideen zu produzieren, sondern vielmehr darum, wieder Zugang zur eigenen Neugier, zum spielerischen Ausprobieren und zum persönlichen Blick auf die Welt zu finden. Kreativ zu sein, heißt hier, sich selbst wieder ernst zu nehmen – und der eigenen Perspektive zu vertrauen.
Wem empfiehlst Du das?
Ich empfehle das Buch allen, die kreativ arbeiten oder arbeiten möchten. “Anleitung zum Unkreativsein” ist kein klassischer Ratgeber, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Es hilft dabei, den eigenen Anspruch an Kreativität neu zu justieren und einen souveränen Umgang mit Ideen, Vorbildern und digitalen Einflüssen zu entwickeln.






